Nun auch endlich mein erster Eintrag beginnend mit der Sensationsmeldung des heutigen Tages. Ich bin hier vor sechs Wochen wohlbehalten angekommen, habe seitdem gelernt mich in der Stadt und der Uni einigermaßen zurechtzufinden; gemerkt, dass die russische Sprache noch mehr grammatikalische Tücken aufweist als vorher angenommen, die Straßen weiterhin uneben sind, so dass sich bei Regen große Seen bilden, die trockenes Fusses schwierig zu überqueren sind; es in Russland im September 20 Grad sein können; es inzwischen Busse gibt in welchen die Haltestellen angesagt werden; es, wie bei uns, fleißigere Vokabellerner gibt als mich und ....
ich nun die „Tradition“ fortsetze und mit der Beschreibung meiner Wohnsituation beginne: Auch ich bin hier im Studentenwohnheim untergekommen und wohne im 12.Stock in einem Zweierzimmer. Meine Mitbewohnerin stammt aus der Mongolei und eigentlich kommen wir gut miteinander aus. Sie hat einen Kühlschrank und einen Fernseher zum WG-Leben beigesteuert, wobei ich ihr bisher nur für ersteres sehr dankbar bin. Zweiteres nämlich nutzt sie ausgiebig um das russische Big Brother oder „Russland sucht den Superstar“ zu gucken und das kann auf die Dauer anstrengend sein. Außerdem liebt sie es nachts Filme zu schauen. Bis letzte Woche Montag um ein Uhr nachts ist sie davon ausgegangen, dass mich das nicht stört, zumindest dann nicht wenn ich schon eingeschlafen bin, leider bin ich aber davon aufgewacht und habe sie ziemlich wutentbrannt vom Gegenteil überzeugt. Seitdem benutzt sie Kopfhörer! Aber wie schon erwähnt, bis auf diese ersten Unstimmigkeiten arrangieren wir uns gut und unternehmen auch mal was zusammen. Es ist halt allgemein sehr ungewohnt mit jemandem so eng zusammenzuleben und quasi keinen privaten Raum zu besitzen in den ich mich zurückziehen kann. Generell ist das Wohnheim gut ausgestattet, auf meinem Flur gibt es eine Küche und einen kleinen Balkon, der den Anforderungen der Raucher – zumindest in den wärmeren Jahreszeiten - genügt und von welchem man einen beeindruckenden Blick auf die umliegenden Hochhäuser hat. Was eindeutig fehlt ist eine Waschmaschine, bisher muss ich alles von Hand waschen, denn weder befindet sich ein gut erreichbarer Waschsalon in der Nähe, noch lässt es meine finanzielle Lage zu meine Sachen von einer älteren Frau für 7-10 Euro! pro Maschine waschen zu lassen.
Ein eindeutiges & großes Plus kommt dem Wohnheim aber noch zugute: es liegt drei Gehminuten von der Uni entfernt! So muss ich mich nicht jeden Morgen und Abend eine Stunde in überfüllte Verkehrsmittel zwängen, wie manch andere Stundenten hier. Die Uni selbst und ihre Studenten sind interessant. Es gibt ein großes Gebäude, mit unzähligen Treppenaufgängen und kleinen Klassenzimmern, mich darin zurechtzufinden hat mich schon einige Nerven gekostet inzwischen gelingt es aber! Und ja, die Stundenten entsprechen äußerlich den Elitevorstellungen der Russen. Alle schick angezogen, 5-cm-Absatzschuhe machen ein Mädchen hier noch lange nicht zum Star, dünn sollte man sein, alle möglichen Designerklamotten oder Fake-Designerklamotten besitzen und einen Chauffeur haben, der den ganzen lieben langen Tag vor der Uni auf einen wartet. Das ist alles sehr gewöhnungsbedürftig und eigentlich auch nicht erstrebenswert für mich. Es gibt natürlich auch eine Minderheit, die ihr Äußeres anders/normal herrichtet, doch die muss man im allgemeinen Bild eher suchen. Wichtiger ist aber für mich auch eigentlich der Russischunterricht, der zumindest aus der zeitlichen Perspektive herausbetrachtet sehr intensiv ist, ich nehme an zwei Kursen teil und habe so von Montag bis einschließlich !! Samstag jeden Tag mindestens drei Stunden Unterricht. Ein Kurs ist sehr einfach und langweilig, da die Lehrerin zwar sehr nett ist, aber die pädagogische Methode des fortwährenden Wiederholens zu ihrer Prämisse gemacht hat. In dem anderen Kurs hingegen komme ich kaum mit, weil er so schwer ist, doch nicht-perfektzugeschnittener Sprachuntterricht ist besser als gar keiner und im Prinzip ist es schon ok! Nur mit dem Nacharbeiten komme ich nicht immer hinterher ;), das sollte man noch ändern!
Von den Leuten hier mache ich am Meisten mit den anderen Austauschstudenten, nicht wirklich vorteilhaft für meine Russischkenntnisse oder zumindest Aussprache, denn reden tun wir untereinander schon alle auf Russisch, doch halt jeder mit seinem eigenen Akzent. Ein paar andere Leute habe ich auch ausserhalb der Uni kennengelernt und ab der nächsten Woche bieten eine andere Deutsche und ich wöchentlich eine „deutsche Konversationsstunde“ im Deutsch-Russischen-Haus an...mal sehen.
Und zur Stadt: die ist echt cool. Bevor ich hergekommen bin hatte ich wegen der Größe ja so meine Bedenken, aber im Moment sehe ich nur die positiven Seiten☺. Man kann ewig viele Dinge machen, Museen und Ausstellungen besuchen, es gibt recht viele Parks, immer gute Konzerte und wenn man sich informiert sogar umsonst und ansonsten kann man auch einfach stundenlang spazieren gehen. Die Dinge die dagegen sprechen sind manchmal nur die Finanzen (es ist teuer hier) und die Überwindung sich nach dem Unterricht noch auf den Weg in die Stadt zu machen. Dorthin braucht man nämlich schon mindestens eine halbe Stunde, muss erst 15 min zur Metro laufen oder je nach Verkehrslage 5 bis 20 Minuten mit dem Bus fahren und dann noch mal mindestens eine Viertel- bis Halbestunde mit der Metro. Doch im Prinzip ist das schon völlig ok, unser Viertel scheint nämlich relativ ungefährlich zu sein, nachts laufe ich hier auch nicht alleine rum aber die Gefahren lauern soweit ich das einschätzen kann zumindest nicht hinter jeder Ecke.
zum Schluss vielleicht noch eine ungewohnte Regelung auf die ich in den letzten Wochen stoßen konnte:
Umziehen in der Sportumkleide: du kommst an und die Tür ist verschlossen, also gehst du vor zur “Anmeldung“ und sagst, dass du dich gerne umziehen möchtest und fragst ob man dir die Tür aufschließen könnte, die Frau geht mit dir zur Umkleidekabine und schließt auf. Die erste Hürde ist genommen, du kannst dich umziehen. In der Umkleidekabine stellst du mit Freude fest, dass es sogar Schränke gibt, auf den zweiten Blick fällt dir aber ins Auge, dass es dazu keine Schlüssel gibt! So denkst du als guterzogener Europäer beim ersten Mal „nein, in einem so großen Maße werde ich mein Glück bestimmt nicht herausfordern und hier unverschlossen meine Sachen deponieren“. Doch es ist anders, nach dem Umkleiden nämlich gehst du abermals vor zur Anmeldung, erzählst der Frau, dass du nun fertig mit dem Umziehen bist und sie die Tür wieder abschließen kann. Gemeinsam geht ihr zur Umkleidekabine und sie schließt nicht nur die Umkleidetür wieder zu sondern du zeigst ihr ebenfalls welchen Schrank du für deine Sachen ausgewählt hast und auch den schließt sie ab! Das Schrankgeheimnis ist damit gelüftet, du kannst dich der sportlichen Betätigung hingeben (bei mir ist das „Modern Dance“, wobei ich mir da noch vorkomme wie ein kleiner Elefant unter den Elfen, doch ich gebe nicht auf!). Nach dem Unterricht geht die Schrank- und Tür-Aufschließ-Prozedure dann von vorne los....das Bücher-Ausleihsystem weist ähnliche unbekannte „Organisationsmethoden“ auf.
Das soll es fürs erste von mir gewesen sein, ich hoffe es geht euch allen gut und es ist interessant und schön von euch lesen zu können! macht es gut, liebe Grüße!
Romy
das mit dem Abschicken hat etwas gedauert, inzwischen liegt kein Schnee mehr.
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen