Dienstag, 9. Oktober 2007

das Leben in Seoul

Jetzt wo alle so fleißig ihre Wohnsituation dargestellt haben und ich heftig gelacht und gestaunt habe, will ich auch mal loswerden was bei uns so abgeht. Aber zunächst: 1. alles Gute nachträglich Laura! 2. Fotos, ich will Fotos von den nurses!! 3. @Fabi:ich hab wirklich keine Ahnung was dein zweiter koreanischer Satz heißen soll. Das liegt vielleicht daran, dass wir im Unterricht voll die falsche Sprache lernen. Denn krasser als in jeder anderen Sprache die ich kenne haben die Koreaner ihre Sprache untergliedert in formal und informal. Es gibt also so Formen, die man nur unter Freunden, guten Freunden, Bekannten, Fremden, Verwandten und Hoheiten benutzt. Ich hab langsam das Gefühl die Form die wir lernen is so formell, dass jeder Taxifahrer sich in seinen Sitz pullern würde, wenn ich mit ihm spreche. Denn selbst die Form zwei unter unserer is immer noch angemessen genug um so mit der Lehrerin zu reden. Ab Mitte Oktober lernen wir dann erst die normalere Form, die natürlich auch um einiges einfacher ist. Aber falls ich mal den Präsidenten oder besser seine Mutter treffen sollte, bin ich gewappnet! (Koreaner sind irgendwie alles andere als ergebnis- oder praxisorientiert.) Aber gut..

Zu unserem Wohnheim: Nachdem sich die schillernden Bilder im Internet innerhalb kurzer Zeit als Illusion entpuppt haben und wir in die Realität eines 12 m2 Zimmers (zu zweit) geführt wurden waren wir alles glaub ich mehr als geschockt. Jungs und Mädels sind getrennt aber dennoch im selben Haus. Es ranken sich immer neue Gerüchte um die Beschaffenheit dieser Trennung und bis in die dritte Woche haben manche immer noch nicht das Prinzip verstanden gehabt und nach versteckten Flügeln gesucht. Die zweite (Erdgeschoss is hier 1) und dritte Etage is Mädchen die 4te is geteilt und die 5te Jungs. Gestern hat mich nen Junge gefragt ob wir Pissbecken haben (urinals) und ich hab erst verstanden ob wir Zeitungen (journals) aufm Klo haben, aber wir haben keins von beiden. Wie wir schon erzählt haben haben wir keine Küche, was nach dem Erscheinungsbild der Mikrowelle auch besser so ist. Dafür haben wir mehr Duschen als Toiletten, was duschen einfacher macht als alles andere. Außerdem gibt es überall kleine englische Schilder die für Asiaten unsichtbar zu sein scheinen. Zum Beispiel das berühmte keine Nudelüberreste in die Abflüsse schütten -Schild. Was anscheinend wirlich schwer zu befolgen zu sein scheint. Dadurch sind immer mindestens zwei der fünf Abflüsse nicht zu gebrauchen. Da es auf meinem Flur fast nur Asiaten gibt, danke Gott, dass ich nicht im Amiflur bin, gibt es halt auch viele Nudelreste. Ich hatte erst gedacht es liegt daran, dass das Schild nur über einem Abfluss hängt und sich dann alle denken: Na gut dann nehm ich halt den anderen. Aber ne Freundin hat mir erzählt, dass meine Mitbewohnerin ihre Reste genüßlich in diesen Abfluss geschüttet hat, quasi mit dem Tu-nicht-was-du-gerade-tust-Schild vor ihrer Nase. Noch eine kurze Geschichte: Da ich die letzten Tage erkältet war hab ich Harry Potter 5 angefangen und 500 Seiten können wie im Flug vergehn auch wenn sie auf englisch sind. Als ich gestern um halb zehn nach dem Abendessen wieder in mein Zimmer kam hat meine Mitbewohnerin schon geschlafen, ziemlich früh. Hab dann all mein Kram gepackt um nicht zu stören und bin in die Lounge. Damit jemand schlafen kann. Dann bin ich so um eins wieder zurück ins Zimmer und Bett. Ganze Prozedur leise möglichst wenig Lärm und Licht. Ne halbe Stunde später dann ich kurz vorm einschlafen. Regt sich was, knistern, das Licht geht an. Ich denk, vielleicht sucht sie was wichtiges, was man mitten in der Nacht um halb zwei braucht. Dann geht sie raus kommt wieder , macht das Licht aus und legt sich wieder hin. Ich frag mich bis jetzt, wofür das Licht?? Ist es für Chinesen einfacher kleine Lichtschalter auf Tischlampen zu finden als große quasi beleuchtet Türen??Ich hab überlegt das nächste Mal wenn sie so früh schläft komm ich um 10 mach das Licht an, geh dann und mach dann um halb eins, wenn ich komme das Licht wieder aus. Vielleicht fühlt sie sich dann mehr zuhause. Aber ich kann hier bezeugen, da mit dem sozialen Verständnis da fehlt noch was bei meiner Mitbewohnerin. Wobei andere hier Mitbewohner haben, die als erstes nach Betreten des Zimmers erstmal immer ihre Hose ausziehen, was echt ne eigenartige Angewohnheit ist. Nach meiner Erfahrung kann ich sagen: von den Chinesen geht keine Gefahr aus, denn sie gucken den ganzen Tag nur Mode-Seiten oder stupide Shows und Dramas im Internet an, wenn sie sich nicht kleine winkende Hunde über Messanger zuschicken. Keine Gefahr für die Menschheit, höchstens gesteigerte Naivität. Antwort meiner Chinesin auf die Marketingfrage nach Langzeitbeziehnungen zum Konsumenten: "Freundschaft". Das is dann wohl was man im Marketing Major in Hongkong lernt.

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